Obike – Ein starkes Herz

Es Es war Juni, als wir uns kennenlernten. Jener Monat, in dem sich die Wolken öffneten und Sturzbäche von Regen fielen. Als spärlich bekleidete Kinder tanzten und sich gegenseitig im Regen jagten. Als schlecht gedeckte Dächer ihre Schwäche zeigten und Möbel und andere Haushaltsgegenstände an sicherere Orte gebracht werden mussten. Als man Plastik- und Metalleimer oder andere Behälter herausholte und diese unter die Dachrinne stellte und mit Freude zusah, wie die braune Flüssigkeit in die Eimer floss, weil ihnen so der lange Weg zum Fluss erspart blieb, zumindest für die nächsten Tage. 
An dem Tag, an dem wir uns trafen, regnete es nicht. Aber die Luft war frisch, weil es in der Nacht zuvor genieselt hatte. Der Boden war noch feucht, und die Erde gab unter dem präzisen, kräftigen Stampfen der Tänzer nach, als ihre nackten Zehen Löcher in die feuchte Erde gruben. Jede schnelle Bewegung passte zu der Kadenz der Trommler und der hohen Melodie des Oja.
Es war meine Cousine Adaku, die meine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte.
„Der weiße Mann starrt dich schon die ganze Zeit an.“
Welcher?, fragte ich. Denn es waren drei, alle in schlechtsitzende Daschikis gekleidet. Zwei von ihnen zwangen ihre Körper, sich den Klängen der Musikinstrumente anzupassen, eine vergebliche Mühe. Mit breitem Grinsen auf den großen blühenden Gesichtern bewegten sie ihre Körper, als gehörten sie ihnen nicht. Der andere, die Hände vor sich verschränkt, lächelte mich an. Ich lächelte zurück, weil es das Richtige zu sein schien. Er hatte etwas Jungenhaftes an sich. Ich war mir nicht sicher, ob es etwas mit seiner unbeholfenen Haltung oder der grellen Kahlköpfigkeit der anderen beiden zu tun hatte. 
Er kam auf mich zu, als die Trommeln aufhörten zu schlagen und die Tänzer sich zerstreuten. Mit einem geschwungenen Lächeln kniff Adaku mir in den Arm, bevor sie davonschlenderte.
„Hallo. Ich bin Sebastian. Deine Bluse gefällt mir.“    
An der Bluse war nichts Spektakuläres. Ich konnte mindestens drei andere Mädchen ausmachen, die ähnliche trugen. Aber ich bedankte mich trotzdem. Er fragte mich, wie ich heiße.
Ijeoma.
„Und was bedeutet das?“ 
Gute Fahrt, sagte ich.
Er liebte es, dass afrikanische Namen immer eine Bedeutung hatten, eine logische Funktion. Seine Augen, die die Farbe des Himmels besaßen, bohrten sich suchend in meine. Wonach, konnte ich nicht sagen. Und weil ich es nicht konnte, schaute ich weg, aus Angst, dass sie nicht finden würden, wonach sie suchten. Die feuchte rote Erde schien eine erträglichere Alternative zu dem durchdringenden Blau seiner Augen zu sein. 
Vielleicht könnte er einen Igbo-Namen annehmen. Ich sagte ihm, dass ich Sebastian für einen schönen Namen hielt und keinen Ersatz brauchte. Es sei nett von den Dorfbewohnern, sie mit einer solchen Fanfare zu begrüßen, sagte er. Das war eine weitere Sache, die er an den Afrikanern liebte: unsere Wärme und Freundlichkeit. 
Ich erzählte ihm, wie sehr wir uns alle auf die Bohrlöcher und Teerstraßen freuten, die er und seine Kollegen für das Dorf graben und bauen würden. Die Bauern sprachen bereits darüber, wie sie die Zuschüsse, die sie erhalten würden, sinnvoll einsetzen könnten. 
„Das ist es, was ich an meinem Job liebe. Ich reise um die Welt und helfe den Menschen, die es am meisten brauchen.“  
Er fragte mich, was ich mache. Ich erzählte ihm, dass ich im örtlichen Lebensmittelladen arbeitete. Aber dass ich an der Universität studieren würde, sobald ich genug Geld gespart hätte. Er fand es nett, dass ich mich verbessern wollte. Er fragte, ob wir Freunde sein könnten. Ich sagte, das könnten wir. Er fragte, ob ich ein Telefon hätte. Ich sagte ihm, dass ich keins besaß, aber ich könnte ihm die Nummer meiner Cousine geben. Er sagte, er müsse jetzt gehen. Er wohnte in Aka Nkise, der nächstgelegenen Stadt mit einem Hotel. Er würde mir Bescheid geben, wann immer er im Dorf sei, um die Projekte zu überwachen.
Zwei Tage später sah ich Adaku auf mein Haus zulaufen und mit ihrem Telefon in der Luft herumfuchteln. Sie streckte mir das Gerät entgegen und grinste. 
Er war im Dorf und fragte, ob wir uns treffen könnten. Ich sagte ihm, dass ich das gerne tun würde.
„Ich bin unter dem großen Baum.“
Es gibt viele große Bäume im Dorf, sagte ich ihm. Er müsste schon ein bisschen genauer sein. Er lachte, und die Wärme seines Lachens erfüllte meine Ohren. 
Er schien die verstohlenen Blicke der Passanten nicht zu bemerken und sich auch nicht um die Kinder zu kümmern, die auf ihn zeigten und ihm kichernd onye ocha hinterherriefen, als wir die unebene Hauptstraße hinuntergingen. Er fragte mich, was das bedeutete. 
Weiße Person, übersetzte ich. 
„Das ist nur fair. Ich bin schließlich weiß“, sagte er mit einem lässigen Achselzucken.
Mit ihm zusammen zu sein, war wie mit einem Kind. Er stellte Fragen über alles. Was bedeuteten die Markierungen an den Häusern? Stimmte es, dass eine Witwe gezwungen werden konnte, den Bruder ihres verstorbenen Mannes zu heiraten? Er hatte irgendwo gelesen, dass die Igbos früher Menschenopfer darbrachten. Hatte ich jemals eines gesehen? Seine Neugierde amüsierte und erregte mich gleichermaßen.
Wir waren gerade am Mmiri eze, dem Dorfsee, angekommen, als er sich mir zuwandte und sagte: 
„Du bist so schön.“
Es war nicht das erste Mal, dass ich das hörte. Aber bis dahin war es immer von unerfahrenen pubertierenden Dorfjungen gekommen, die versuchten, ihre Umwerbungskünste zu üben. Diesmal kam es von jemandem, der zu wissen schien, wovon er sprach. Er bewegte sich auf mich zu. Er stand so nahe bei mir, dass ich den Knoblauch in seinem Atem riechen konnte. Die Spitzen seiner Finger berührten meine. Er fragte, ob er mich küssen dürfe. Ich fand es seltsam, dass er fragte. Es erschien mir als die nächste logische Handlung. Ich nickte, denn es fiel mir schwer, Worte aus meiner inzwischen trockenen Kehle herauszubekommen.
Seine Lippen waren weich, und ich brauchte einige Zeit, um ihren Rhythmus zu finden. Und gerade, als ich ihn gefunden hatte, zog er sich zurück. Er machte ein paar Schritte rückwärts, zog sich das T-Shirt über den Kopf und tauchte mit einer schnellen Bewegung ins Wasser ein. Wir schwammen für eine Dauer, die mir wie Stunden vorkam. Wir kicherten wie Schulkinder, während wir im schimmernden Wasser planschten; die Sonne spiegelte sich auf unserer Haut. 
Als wir im Gras lagen und darauf warteten, dass unsere Kleidung trocknete, umgeben vom Rauschen der Palmen und dem Gezwitscher der Vögel, sagte er: „So glücklich war ich schon lange nicht mehr.“ Ich übernahm die Verantwortung für dieses Glück und ließ das Gefühl, etwas geleistet zu haben, mich überkommen. 
                                                                                                ***
„Jemand hat gesagt, dass er dich mit einem weißen Mann gesehen hat. Stimmt das?“, fragte meine Großmutter, während sie auf ihre Schnupftabakdose klopfte.      
Ich habe nicht gefragt, wer dieser Jemand war. Denn „jemand“ hätte ein naher Verwandter oder ein Fremder sein können. Der Überbringer der Nachricht war meist unbedeutend im Vergleich zur Nachricht selbst. 
Ich sagte, dass es so war. Der weiße Mann brauchte jemanden, der ihn herumführte. Ich fegte weiter den schwarzen Ziegenkot weg und hoffte, dass die beiläufige Bewegung meiner Hände zeigen würde, dass ich mir über die Angelegenheit keine ernsthaften Gedanken machte. 
„Und gab es sonst keine Männer im Dorf, die ihn hätten herumführen können?“, fragte sie düster blickend.
Ich antwortete nicht, weil ich wusste, dass das nicht von mir erwartet wurde.
„Hast du vergessen, was mit dem Mädchen in Umunkwo passiert ist?“
Umunkwo war ein Nachbardorf, das das Privileg hatte, als erstes im Bezirk Strom zu bekommen. Und bis vor etwa einem Jahr war das auch alles, wofür es bekannt war. Bevor ein Teenagermädchen schwanger wurde. Unter anderen Umständen wäre so etwas die Sorge ihrer Familie geblieben. Aber es wurde zu einem Skandal, der nicht nur über die Grenzen ihrer Familie, sondern auch über die ihres Dorfes hinausging und seine Tentakel auf alle fünf Dörfer des Bezirks ausstreckte. Denn der Vater des Kindes war einer der chinesischen Männer, die an der elektrischen Anlage des Dorfes gearbeitet hatten. Da es sich nicht mehr nur um eine Familienangelegenheit handelte, wurden die Ältesten der Gemeinde zum Eingreifen aufgefordert. Die Dinge nahmen eine Wendung, als der Beschuldigte bestritt, das schwangere Mädchen zu kennen. 
Es sei eine bekannte Tatsache, argumentierte der Chinese, dass die meisten Afrikaner einen Asiaten nicht von einem anderen unterscheiden könnten. Dies sei offensichtlich bei diesem armen Kind der Fall. Weder die Ältesten noch die Familie des jungen Mädchens konnten dieser Argumentation widersprechen, denn sie enthielt eine gewisse Wahrheit. Und so wurde die Geschichte von Umunkwo zu einer Warnung für alle unverheirateten Mädchen in den fünf Dörfern. Denn das Mädchen hatte nicht nur Schande über sich und ihre Familie gebracht, indem sie außerehelich schwanger wurde, sie war auch zu dumm gewesen, den Vater ihres Kindes zu erkennen. 
Ich sagte meiner Großmutter, dass sie sich keine Sorgen machen müsse. Dass Sebastian und ich nur Freunde wären. Sie grunzte, als sie an dem Tabak schnupperte und rümpfte die Nase, während ihre Augen tränten. Ich verstand ihre Ängste und liebte sie dafür. Sie war eine Großmutter und eine Mutter in einem. Als meine Mutter kurz nach meinem ersten Geburtstag starb, übergab mich mein Vater, der mit der gewaltigen Aufgabe, ein Kleinkind großzuziehen, überfordert war, seiner Mutter, während er in der Stadt zurückblieb. Der Plan war, dass ich irgendwann zu ihm zurückkehren würde. Aber zwanzig Jahre später lebte ich immer noch bei meiner Großmutter, während er mit seiner neuen Familie in der Stadt lebte.       
Sebastian rief mich eine Woche später wieder an, um mir mitzuteilen, dass er nicht ins Dorf kommen könne, weil er eine Reihe von sehr wichtigen Terminen in der Stadt hätte. 
„Würdest du vorbeikommen? Ich könnte meinen Fahrer schicken, um dich morgen abzuholen.“
Ich sagte ihm, dass ich das gerne machen würde.
Ich zog die Bluse an, die ich bei unserer ersten Begegnung getragen hatte, und kombinierte sie mit einem etwas engeren Minirock. Ich sagte meiner Großmutter, dass ich mit Adaku in die Stadt fahren würde, weil wir ein paar Sachen für den Supermarkt besorgen müssten.
Der Fahrer holte mich an der Hauptkreuzung ab. Während der Fahrt zwinkerte er mir immer wieder zu, grinste mich an und musterte mich von oben bis unten. Ich spürte, wie sich mein Körper versteifte, als sein Blick auf meinen Schenkeln verweilte. Instinktiv zog ich meinen Rock herunter und wünschte, ich hätte einen längeren getragen. 
Er setzte mich am Eingang eines Hotels ab und sagte mir, ich solle auf Zimmer 213 gehen. Ich ging durch die Lobby auf die Treppe zu. Ich hatte das Gefühl, etwas falsch zu machen, über dessen Natur ich mir nicht sicher war. Aber alle Unsicherheit löste sich auf, als Sebastian die Tür öffnete. Der erste Knopf seines Hemdes war offen, und schütteres Haar ragte hervor. 
Ich ließ zu, dass er meine Hand nahm und mich sanft in sein Zimmer zog. Er sagte, er sei froh, dass ich hier war, und fragte, ob ich etwas zu trinken wolle.
„Ich habe nur Cola. Die Cola hier schmeckt anders als die in Deutschland. Sie ist süßer. Ich kann das Zeug nicht vertragen.“
Wir setzten uns auf sein Bett und ich hörte ihm zu, wie er von seiner Arbeit erzählte. Wie erfüllend das alles war. Natürlich manchmal auch herausfordernd. Wie vor kurzem, als sie einen Teil der Hauptstraße nicht teeren durften, weil die Ältesten es als heiliges, den Göttern geweihtes Land betrachteten. Aber auch wenn es ihre Arbeit erschwerte, verstand er, wie wichtig es war, die Kultur und Tradition der Eingeborenen zu respektieren. Alles, was er wollte, war zu helfen. Und die Menschen hier schätzten, was er tat. Er konnte die Dankbarkeit in ihren Augen sehen. Zu Hause in Deutschland hatte er nie das Gefühl gehabt, etwas erreicht zu haben. Und deshalb hatte er sich im vergangenen Jahr, kurz nach seinem dreißigsten Geburtstag, bei einer gemeinnützigen Organisation gemeldet, die Ingenieure für den Einsatz in Entwicklungsländern suchte. 
„Hier seid ihr mit dem Wenigen, das ihr habt, zufrieden und könnt trotz der Schwierigkeiten noch tanzen und lächeln.“
Ich wollte ihm sagen, dass es den Leuten hier wirklich nichts ausmachen würde, ein bisschen mehr zu haben, und dass wir die Armut nicht besonders genießen. Aber ich tat es nicht, denn obwohl er meine Hände hielt und mich beim Sprechen anschaute, wirkten seine Äußerungen wie ein Selbstgespräch. 
In diesem Moment hob er die Hand und streichelte mein Gesicht. Ich schloss die Augen und spürte, wie meine Wangen kribbelten. Meine Augen blieben geschlossen, als sich seine Lippen auf meine legten. Er beugte sich vor und ich ließ mich auf das Bett sinken. Mit ihm Liebe zu machen, war eine neue Erfahrung. Er starrte auf meinen Körper wie auf ein Kunstwerk und als ob er versuchen würde, die Absicht des Künstlers zu entschlüsseln, in der Hoffnung, die Symmetrie zu finden. Während er mich mit Küssen und Liebkosungen bedeckte, murmelte er immer wieder das Wort schön, bis ich es glaubte.  
                                                                                             ***
Das Schälen des Manioks war mühsam. Wie immer hatte Adaku mir das stumpfe Messer gegeben und das scharfe für sich behalten. Meine Handflächen waren wund von der zusätzlichen Anstrengung, die ich aufbringen musste, um die Knollen von ihrer braunen Haut zu befreien. 
„Hör auf, dich zu beschweren. Mein Messer ist auch nicht besser“, sagte Adaku. „Und bitte lass deinen Frust nicht am Maniok aus. Es ist nicht seine Schuld, dass dein weißer Mann gegangen ist.“
Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog, als mich der letzte Satz traf. Ich hatte keine Ahnung, dass Sebastian gegangen war. Unser letztes Treffen war vor zwei Wochen im Hotel gewesen. Laut Adaku waren er und seine Kollegen jetzt in Ghana, um an einem anderen Projekt zu arbeiten. Ihr Vater saß im örtlichen Entwicklungskomitee. Sie musste also die Wahrheit sagen. Genau wie die weiße Knolle in meiner Hand fühlte ich mich nackt, jeder Gewissheit beraubt. Hatte er nicht gesagt, ich sei schön? Wer lässt denn Schönheit mit so viel Leichtigkeit hinter sich? 
Es war drei Monate später, als meine Großmutter das sagte, was ich schon ahnte, es aber nicht zuzugeben wagte, nicht einmal mir selbst gegenüber.
„Du bist schwanger.“
Ich nickte.
„Ist es der weiße Mann?“
Es gab keine Möglichkeit, Sebastian zu erreichen. Wann immer ich seine Nummer anrief, begrüßte mich ein Unterbrechungston anstelle seiner warmen Stimme. Mir wurde klar, dass ich weder seinen Nachnamen noch sonst irgendetwas über ihn wusste. Meine Großmutter informierte meinen Vater und schlug vor, dass ich zu ihm in die Stadt ziehen sollte, bevor es sichtbar wurde und die Dorfbewohner etwas zu tratschen hatten.
„Soll sie doch im Dorf bleiben und die Schande ihrer Taten ertragen“, antwortete er.
Und so schloss ich mich im Haus ein und pflegte mein gebrochenes Herz, während ich meinen schwellenden Bauch wiegte. Der einzige Besucher, den ich hatte, war Adaku, die mich mit jedem Tag mehr mit ihrer positiven Vorfreude auf das Kind ansteckte.
„Stell dir einfach vor, wie schön dein Baby sein wird“, sagte sie immer.
Und das tat ich dann auch. Mein Herz tat immer noch weh, und die Risse waren immer noch da. Aber ich begann zu hoffen, dass das Kind das Bindemittel sein würde, das es davon abhielt, sich vollständig aufzulösen. Ich begann, Namen für mein Kind auszusuchen – Obike, wenn es ein Junge wäre – ein starkes Herz. Denn ich wusste, dass ich es brauchen würde, um mich dem zu stellen, was auch immer auf mich zukommen würde. Wäre es ein Mädchen, würde ich es nach meiner Großmutter benennen – Anwuli – Freude. Wer brauchte nicht etwas Freude in seinem Leben, dachte ich.
                                                                                               *** 
Obwohl ich noch nie in den Wehen gelegen hatte, wusste ich, dass mein Kind kam. Der dumpfe Schmerz in meinem Rücken und Unterleib war wie nichts, was ich zuvor erlebt hatte. Während mein Kopf auf dem Schoß meiner Großmutter ruhte und die humorlose Hebamme – mit Händen hart wie ein Stein – zwischen meinen Schenkeln kniete, tat ich, was die strenge Stimme befahl, und gab einen letzten Stoß. Abgesehen von meinem lauten Atmen und Stöhnen herrschte Stille. Ich spürte, wie sich der Griff meiner Großmutter festigte. Und dann durchbrach Obikes Wimmern die Stille und brachte Erleichterung mit sich. Die Hebamme streckte mir das gewickelte Kind entgegen. Als ich in seine Augen blickte, die die Farbe des Himmels hatten, wusste ich, dass mein Herz stark war und es so bleiben würde, solange ich ihn hatte.

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